Sie sind hier: MARKTPLATZ > Marktkommentar > 
6.9.2010 : 4:24 : +0200

Martkommentar zum 2. Quartal 2010

Aktienmärkte mit uneinheitlichem Bild

Nach einem guten Start in das Jahr 2010 ist die Nervosität an den Märkten wieder zurückgekehrt. Dabei entwickelte sich die Weltwirtschaft trotz vieler Unsicherheiten erstaunlich gut, allen voran in Asien und Lateinamerika. Die Frühindikatoren signalisieren derzeit eine Fortsetzung der konjunkturellen Erholung. Vor allem in Deutschland zeigen sich die realwirt-schaftlichen Daten weitgehend unbeeindruckt von der Schuldenkrise in Europa: Die Industrie-produktion ist sehr robust und die Auftragseingänge im deutschen Maschinenbau erinnern mit zweistelligen Zuwachsraten an bessere Zeiten. Der stark exportorientierten Wirtschaft kommen dabei im Wesentlichen zwei Faktoren zugute: das hohe Wirtschaftswachstum außerhalb Europas und der zuletzt schwache Euro, der den Unternehmen zusätzliche "Windfall-Profits" liefert. Allerdings wurde der Aufschwung in vielen Ländern durch niedrig gehaltene Zinsen und ausufernde Staatsverschuldung erkauft - die tatsächliche ökonomische Lage bleibt insgesamt eher fragil. 

Überschattet wurde die Entwicklung durch die griechische Schuldenkrise und einen damit einhergehenden hohen Vertrauensverlust in die Eurozone und die Maastrichtverträge. Zur Krisenbewältigung stellten EU, Mitgliedstaaten und IWF rund 750 Mrd. Euro zur Verfügung. Zudem hat die Europäische Zentralbank mit dem direkten Kauf von Staatsanleihen begonnen. Die immer weiter ausufernde Staatsverschuldung belastet jedoch die Wachstumsaussichten der Industrieländer, eine mittelfristige Verschlechterung der Situation der hochverschuldeten Länder wie Irland, Portugal und Spanien, aber auch Großbritannien und eine weitere Infizierung der restlichen EU-Länder ist nicht auszuschließen. 

Die starke Abwertung des Euro gegenüber nahezu allen Währungen zeigt deutlich den Vertrauensverlust infolge der Unsicherheiten über die Entwicklung der Europäischen Union. Es wird immer klarer, dass die Sparpakete und die Haushaltskonsolidierung, die Europa und auch die USA vor sich haben, im Gegensatz zu der Hoffnung stehen, die Weltwirtschaft werde aus der Krise herauswachsen und die Schulden im nächsten Aufschwung selbsttragend zurückführen. Nicht Konjunkturpakete, sondern radikale Sparmaßnahmen in Europa sind nun die Antwort auf die Krise und schüren die Sorgen, dass das Wachstum wieder gedämpft wird und sogar in Rezession umschlägt.

Die wesentlichen Gewinner der Euroentwicklung sind Währungsspekulanten, die die Politik und öffentliche Meinung in konzertierter Aktion seit Monaten vor sich hertreiben. Im Moment scheint sich der rasante Verfall wieder etwas beruhigt zu haben, doch der Vertrauensverlust in die Fiskaldisziplin, in die Wachstumskraft und zuletzt in die Unabhängigkeit der EZB im Euroraum lasten auf der Gemeinschaftswährung. Solange der aktuelle Brandherd vorrangig als Krise der Eurostaaten angesehen wird, stehen die Chancen auf eine dauerhafte Beruhigung und Festigung des Euro schlecht, selbst wenn die Situation in den USA nicht viel besser ist. 

Auf Grund der teilweise schwierigen wirtschaftlichen Lage einzelner Länder bleibt der Euro weiter im Fokus. Eine weitere Abschwächung ist nicht auszuschließen und hängt maßgeblich von der Wirksamkeit der beschlossenen Maßnahmen der EU und des IWF ab. Angesichts der weltweit extrem ungleichen wirtschaftlichen Entwicklungen erwarten wir eine deutliche Zunahme der Währungsschwankungen.

Inflationäre Tendenzen befürchteten wir derzeit nicht, im Gegenteil: Um die Krise abzufedern und die hohe Verschuldung zu finanzieren, werden die Zentralbanken die Zinsen weiter auf niedrigem Niveau halten. Angesichts niedriger Kapazitätsauslastung und hoher Arbeitslosigkeit sehen wir zunächst kaum Inflationsrisiken, vor allem nicht in den Industrieländern. Dagegen könnte es in einem wieder sich abschwächenden wirtschaftlichen Umfeld sogar zu einem Rückgang der Zinsen kommen. 

In unseren Strategien haben wir in den letzen Wochen den Risikoanteil nicht erhöht. Im Aktienanteil gewichten wir die Regionen Asien und Lateinamerika deutlich über. Im Rentenanteil bleiben erstklassige Schuldnerbonitäten nach wie vor erste Wahl. Gold bleibt als strategisches Investment weiter empfehlenswert und Bestandteil unserer Kernallokation in allen Portfolios. In Erwartung größerer Währungsschwankungen haben wir mit dem Aufbau der Anlageklasse Währungen begonnen.

Angesichts der anhaltenden Volatilität an den Kapitalmärkten steht das Risikomanagement sowohl in unserem Dachfonds als auch im Management unserer Depots weiterhin an erster Stelle.

22.07.2010